Pressekonferenz in Berlin: Bundesweite Studie mit 20.000 Kindern bestätigt schlechte Fitness der Jugend
Mehr Schul- und Vereinssport verbessert Leistung - Hier lesen Sie detaillierte Fakten und Informationen
P R E S S E E R K L Ä R U N G:
Die stetig anwachsende Zahl der Stunden vor den Computern und den TV-Geräten setzt Kindern und Jugendlichen in Deutschland mehr und mehr zu. Durch das viele Sitzen wird die körperliche Fitness der 6- bis 18-Jährigen kontinuierlich schlechter und muss den Verantwortlichen Anlass zur Besorgnis geben. Dieser seit Jahren beobachtete Trend wird durch jüngste Ergebnisse aus einem bundesweit durchgeführten Bewegungs-Check-Up im Rahmen der Gemeinschaftsinitiative "Fit sein macht Schule" der AOK-Die Gesundheitskasse, des Deutschen Sportbundes (DSB) und des Wissenschaftlichen Instituts der Ärzte Deutschlands (WIAD) mit mehr als 20.000 Schülern und Schülerinnen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren untermauert. Diese Zahlen sind in den Zeiten der Diskussionen um die Konsequenzen aus der PISA-Studie ein weiteres Alarmsignal für das deutsche Bildungssystem.
Der in den letzten beiden Jahren durchgeführte Test ergab allein bei den 10- bis 14-Jährigen einen Rückgang der Fitness um 20 Prozent bei Jungen und um 26 Prozent bei Mädchen, bei einem schon schwachen Ausgangsniveau von 1995. Besonders drastisch ist bei beiden Geschlechtern der Rückgang im Bereich der Koordination (gemessen mit der Übung Ballprellen) sowie in der (anaeroben) Ausdauer. Basierend auf den aktuellen Ergebnissen des Bewegungs-Check-Ups kann allein für den relativ kurzen Zeitraum von zwei Jahren zwischen 2001 und 2002 auf einer nunmehr sehr breiten Datengrundlage ein Rückgang der körperlichen Leistungsfähigkeit der 6- bis 18-Jährigen verzeichnet werden.
Regelmäßiges Sport-Treiben kann den körperlichen Zustand der Kinder und Jugendlichen wesentlich verbessern. Wer täglich Sport treibt, hat eine deutlich höhere Leistungsfähigkeit als derjenige, der sich höchstens ein Mal in der Woche sportlich betätigt. Aber selbst die Sportbegeisterten unter den Jugendlichen und Kindern zeigen deutliche Schwächen in der Ausdauer, wie die Tests jetzt ergaben.
Der Check-Up wurde 2000 erstmals erprobt. Kernstücke sind eine sportmotorische Leistungs-Überprüfung - der Münchner Fitnesstest (MFT) nach Rusch/Irrgang - und ein Kurzfragebogen zu Einstellungen und Sportvorlieben der Kinder und Jugendlichen. Die Ergebnisse werden vom WIAD ausgewertet, mit bundesweiten Trends verglichen und den AOKs und Schulen für gezielte Interventionen zur Verfügung gestellt.
Stärker als bisher wird der Einfluss der Schulen auf den körperlichen Zustand der Kinder und Jugendlichen deutlich. In allen Übungen schneiden diejenigen besser ab, die drei oder mehr Stunden Schulsport haben. Diese Stundenzahl ist allerdings eher die Seltenheit, denn 63 Prozent der Schüler und Schülerinnen haben maximal zwei Stunden Schulsport in der Woche. Nur 37 Prozent erhalten drei Stunden und mehr. Relativ am besten ist die Situation noch in den Grundschulen und den Gymnasien mit durchschnittlich 2,9 bzw. 2,6 Stunden pro Woche.
Diese Kürzungen sind meist nicht im Sinne der Betroffenen, denn etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen möchte künftig mehr Sport treiben als sie es derzeit tut. Der Wunsch taucht umso häufiger auf, je nötiger sie es haben. Allerdings klafft eine Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit, die nur durch gezielte, attraktive Angebote geschlossen werden, wie sie derzeit auch schon in Kooperation mit den AOKs realisiert werden.
Obwohl das ausgeprägte Bekenntnis der Schüler zu mehr sportlicher Betätigung ermutigt, ist es sehr schwierig, die weniger aktiven Kinder und Jugendlichen dauerhaft an den Sport heranzuführen. Der Wunsch nach mehr Sport wird häufig von konkurrierenden Freizeit-Aktivitäten und demotivierenden Erfahrungen im Schulsport verdrängt. Hier kann der Schul- und Vereinssport in Kooperation mit den AOKs ansetzen.
Auf Grund dieser Erkenntnisse fordert der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, Schulen und Vereine auf, enger zu kooperieren und sich verstärkt um Gemeinschaftsangebote zu bemühen. Mit einer solchen Zusammenarbeit sollen gerade diejenigen an den Sport herangeführt werden, die es besonders nötig haben und den Wunsch nach mehr körperlicher Betätigung auch aussprechen.
Videos zu diesem Beitrag ...
Real-Video: Interview mit Herrn von Richthofen/Herrn Ahrens Dateigröße: 1.0 MB
Quicktime-Video: Interview mit Herrn von Richthofen/Herrn Ahrens Dateigröße: 2.0 MB
Windows Media: Interview mit Herrn von Richthofen/Herrn Ahrens Dateigröße: 1.6 MB
Lesen Sie auch ...
Download der kompletten Pressemeldung als PDF
Download der Grafik: Entwicklung der sportmotorischen Leistungsfähigkeit seit 1995
Download der Grafik: Jugendliche überschätzen ihre körperliche Fitness
Download PDF: Statement Dr. Lothar Klaes, Geschäftsführer des WIAD
Weiterführende Links ...


Zurück zur letzten Seite 




